Empfehlungen für Basisuntersuchungen

Bild Basisuntersuchungen_Asylbereich

Die zunehmende Anzahl Flüchtlinge, die in der Schweiz Asyl beantragen, stellt an das Gesundheitswesen besondere Anforderungen. Infektionskrankheiten bei Flüchtlingen stellen für die Schweizer Bevölkerung grundsätzlich keine Gefahr dar. Abhängig vom Ursprungsland kommen aber andere, in der Schweiz mehrheitlich unbekannte Krankheiten gehäuft vor. Die Tuberkulose ist wohl die bekannteste Infektionskrankheit bei Flüchtlingen, insbesondere bei denjenigen aus Ländern mit einer hohen Prävalenz. Asylsuchende werden deshalb beim Eintritt in ein Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) systematisch auf spezifische Symptome befragt und bei Verdacht auf eine Tuberkuloseerkrankung werden weitere Abklärungen durchgeführt.

Erstkontakt

Wird einem Hausarzt ein Asylsuchender oder Flüchtling neu zugewiesen, ist es empfehlenswert eine Erstkonsultation zu planen und den Patienten oder die Patientin aktiv einzuladen.

Wir empfehlen bei dieser Erstkonsultation:

  • den Impfstatus zu prüfen,
  • bei Kindern auf die regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen durch Pädiater hinzuweisen
  • und bei einer allfälligen Schwangerschaft auf einen Gynäkologen aufmerksam zu machen

Infektionskrankheiten

Wie mit erkrankten Asylsuchenden und Flüchtlingen in der ärztlichen Praxis vorgegangen werden soll, zeigt der Artikel von Notter et al. „Infektionen bei erwachsenen Flüchtlingen“. Er liefert eine praktische Übersicht, an welche Krankheiten bei erwachsenen Flüchtlingen zu denken ist und wie sie diagnostiziert und behandelt werden sollen. Weitere Informationen finden Sie im RKI Bulletin 2015 "Akut behandlungsbedürtige, für Deutschland ungewöhnliche Infektionskrankheiten, die bei Asylsuchenden auftreten können".

In der Tabelle „Infektionskrankheiten gemäss Herkunftsland“ ist eine Übersicht, die darstellt auf welche infektiösen Krankheiten man bei neu angekommenen Asylsuchenden achten muss. Die Länder, die dabei erwähnt werden, gehören zu den fünf häufigsten Herkunftsländern von Asylsuchenden, die 2015 in der Schweiz Asyl suchten.

Anmerkung: Medikamente für seltene Krankheiten (bspw. Scabies oder Schistosomen) sind in der Schweiz oft nicht zugelassen und werden daher von Krankenversicherungen nicht übernommen. Für definierte Patientinnen und Patienten können kleine Mengen eines Medikamentes über jede Offizinapotheke eingeführt werden. Alternativ kann die Medikamenten-Abgabe über das Swiss TPH erfolgen, melden Sie sich hierfür per Fax beim Swiss TPH +41 61 284 81 83 (die Patientin, resp. der Patient wird dann offiziell vom Swiss TPH behandelt).

Meldepflichten: Die Meldepflicht ist das zentrale Systemelement der Überwachung übertragbarer Krankheiten in der Schweiz. So können Krankheitsausbrüche früh erkannt und Massnahmen zur Eindämmung eingeleitet werden. Informationen und Formulare zur Meldepflicht finden Sie bei den Medizinischen Diensten unter Epidemienschutz oder auf der Webseite des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Tabelle Infektionskrankheiten gemäss Herkunftsland
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Tabelle „Infektionskrankheiten gemäss Herkunftsland“
(in Anlehnung an Notter et al. „Infektionen bei erwachsenen Flüchtlingen“)

Differentialdiagnosen

Nebst den häufigen Erkrankungen bei Europäerinnen und Europäern sollte an gewisse spezifische Differentialdiagnosen in Abhängigkeit der Symptome bei den Asylsuchenden gedacht werden. Das Screening auf multiresistente gramnegative Bakterien sollte bei allen Asylsuchenden in Betracht gezogen werden, welche hospitalisiert werden müssen.

In der Tabelle „Differentialdiagnose gemäss Symptomen bei Asylsuchenden“ ist eine Zusammenstellung von weiteren zu berücksichtigenden Differentialdiagnosen zu finden.

Weitere hilfreiche Informationen finden Sie auch auf der kanadischen Webseite des Canadian Collaboration for Immigrant and Refugee Health www.ccirhken.ca.

Tabelle Differentialdiagnosen
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Tabelle „Differentialdiagnose gemäss Symptomen bei Asylsuchenden“
(in Anlehnung an Notter et al. „Infektionen bei erwachsenen Flüchtlingen“)

Impfempfehlungen

Neben einer allfälligen Therapie ist für Asylsuchende und Flüchtlinge, die oft aus Ländern mit einem schwachen Gesundheitssystem stammen, auch eine Überprüfung des Impfstatus wichtig, damit diese nicht an impfverhütbaren Krankheiten erkranken.

In der Tabelle „Impfempfehlungen" ist eine Übersicht basierend auf dem Artikel von Tarr et al. „Impfungen bei erwachsenen Flüchtlingen“ und Befunden des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC; Measles, mumps, rubella, and varicella seroprevalence in refugees in Germany in 2015) zusammengestellt. Impfungen sind besonders bei Kindern und Bewohnern von Flüchtlingszentren wichtig, um Ausbrüche zu verhindern.

Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (Pediatric Infectious Disease Group of Switzerland, PIGS) hat eine Leitlinie zur Abklärung und Vorbeugung von Infektionskrankheiten und Aktualisierung des Impfschutzes bei asymptomatischen asylsuchenden Kindern und Jugendlichen in der Schweiz veröffentlicht. Das Ziel dieser Leitlinie ist es, die Gesundheit von asylsuchenden Kindern, Jugendlichen und Familien zu verbessern oder zu erhalten. Die frühe Erkennung und Behandlung von Infektionskrankheiten, die in der Migrantenpopulation verbreitet sind, liegt in der Verantwortung aller Haus- und Kinderärzte in der Schweiz. Konsequente und schnelle Nachimpfungen bei allen asylsuchenden Kindern und Jugendlichen sind ebenso wichtig, um Ausbrüche ansteckender Krankheiten zu verhindern und damit auch die einheimische Bevölkerung zu schützen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.infovac.ch. Eine Übersicht über die Impfsituationen in anderen Ländern finden Sie in der Immunization Schedule der WHO. Impfinformationen in verschiedenen Sprachen finden Sie bei www.immunize.org.

Nützliche Informationen zum schweizerischen elektronischen Impfausweis finden Sie unter www.meineimpfungen.ch.

Tabelle Impfempfehlungen
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Tabelle „Impfempfehlungen“
(in Anlehnung an Tarr et al. „Impfungen bei erwachsenen Flüchtlingen“ und an das European Centre for Disease Prevention and Control)